Etappenerfolg für Erlbach

Reischacher Schulantrag mit Peracher Unterstützung abgelehnt – Weit über 200 Bürger gehen auf die Straße



Mit Transparenten, Trillerpfeifen und Ratschen machten die Demonstranten vor der Schule auf ihr Anliegen aufmerksam. − Foto: Kleiner

Erlbach. Die unmittelbare Gefahr ist abgewendet, doch der Disput damit noch längst nicht beendet. Mit Unterstützung der Peracher Kollegen haben die Erlbacher Räte der Verwaltungsgemeinschaft am Dienstagabend den umstrittenen Schulantrag aus Reischach zu Fall gebracht. Mit sechs gegen vier Stimmen überstimmten sie die Reischacher VG-Räte. Die waren zuvor mit lautstarkem Protest in der Holzlandgemeinde empfangen worden.

Weit über 200 Erlbacher hatten sich am späten Nachmittag vor der von der Schließung bedrohten Grundschule versammelt. Mit Trillerpfeifen und hölzernen Ratschen verschafften sie ihrem Anliegen Gehör. Transparente und Plakate mit Aufschriften wie "Lasst die Schule im Dorf" waren zu sehen.

Als die Reischacher VG-Räte um Bürgermeister Herbert Vilsmaier eintrafen, um vor der Sitzung gemeinsam mit ihren Kollegen die Schule zu besichtigen, erwartete sie ein Pfeifkonzert samt Buh-Rufe. "Gemach, gemach", rief Erlbachs Rathauschef Franz Watzinger schließlich seinen Mitbürgern zu.

So stürmisch der Auftakt auch war, die anschließende Sitzung ging sachlich und ruhig über die Bühne. Obwohl die Debatte angesichts des Interesses in den Pfarrsaal verlegt worden war und sich dort so viele Zuhörer drängten, dass sie bis auf den Gang hinaus standen, blieb es frei von Störungen. Mit seiner anfänglichen Bitte, sowohl auf Applaus als auch auf Missfallensäußerungen zu verzichten, fand Watzinger Gehör.

Dass es an derlei Sachlichkeit in den Tagen und Wochen zuvor mitunter gemangelt habe, kritisierte Reischachs Bürgermeister Vilsmaier eingangs der Sitzung. Seit Beginn der Debatte habe es verbale Angriffe und nicht hinnehmbare "Titulierungen" gegeben. "Es ist erschreckend, wie sich die Menschen uns gegenüber verändert haben", stellte er fest. Der Umgang tue ihm "persönlich weh" – und das, wo es sich beim Vorgehen der Reischacher um einen "ganz normalen demokratischen Akt" handle: "Wir stellen einen Antrag und darüber gilt es, abzustimmen."

Bevor die VG-Räte tatsächlich dazu übergingen, legten die Gemeinden nochmal ihre Sichtweise dar. Bleibe alles, wie es ist, sei der Fortbestand der Mittelschule Reischach ",massiv gefährdet", argumentierte Alfred Stockner für die Reischacher Seite. Die Schülerzahlen seien rückläufig, die Mittelschule habe gerade noch drei Klassen. Weil die Übertritte auf Realschulen und Gymnasien zulegen, müsse im kommenden Schuljahr damit gerechnet werden, dass in Reischach nur mehr eine Klasse zustande kommt. Um zu erkennen, dass die Mittelschule dann Geschichte sei, "muss man kein Prophet sein", so Stockner, der um Verständnis dafür warb, dass Reischach vor diesem Hintergrund darauf bedacht sei, die eigenen Grundschüler nach Reischach zu holen, um die eigene Schule zu retten.

Dass mit diesem Schritt auch Kosteneinsparungen und ein Nutzen für alle Grundschüler einhergehen sollen, stieß indes sowohl bei den Erlbacher als auch bei den Peracher VG-Räten auf Widerspruch. Der Punkt, wonach die Buskosten sinken würden, wenn die Reischacher Schüler nicht mehr transportiert werden, sei schlichtweg falsch, auch wenn Reischach die meisten Schüler stellt. Schließlich würden die Buskosten nach der Länge des gesamten Streckennetzes berechnet und nicht nach Schülerzahlen, hielt Perachs Bürgermeister Georg Eder entgegen. Und dass auch die Erlbacher Grundschüler von einer Reischacher Turnhalle und den dortigen Funktionsräumen profitieren würden, ist für die Erlbacher VG-Rätin Sonja Latein kein überzeugendes Argument. "Grundschulkinder brauchen keine Funktionsräume, sondern einen Garten zum Austoben", sagte sie.

Weil schon im Vorfeld absehbar gewesen war, dass die Reischacher mit ihrem Antrag nicht gegen die Erlbacher und Peracher Mehrheit ankommen würden, hatten Vilsmaier und seine Kollegen noch einen Kompromissvorschlag mitgebracht. Ein neutraler Gutachter solle vor einer Entscheidung die ganze Sache auf Wirtschaftlichkeit und auf das Wohl der Kinder hin prüfen. Dem aber sperrten sich die anderen VG-Räte mit der Begründung, die Abstimmung stehe auf der Tagesordnung und diese könne nicht einfach nach Belieben abgeändert werden.

Mit der vorläufigen Niederlage für das Reischacher Ansinnen ist die Angelegenheit nicht beendet. Schon im Vorfeld hatte der dortige Gemeinderat erklärt, bei einer Ablehnung die Kostenverteilung innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft zu überprüfen und gegebenenfalls auch die VG selbst infrage zu stellen. Vorbeugend warb VG-Vorsitzender Franz Watzinger am Ende um Zusammenhalt. "Wir werden unsere Verantwortung für Reischach auch weiterhin wahrnehmen", versicherte er in Richtung der eben unterlegenen Reischacher Kollegen. − ckl

 

(ANA vom 18.12.2014)