Dialog statt Konfrontation

Bei der Schul-Abstimmung ist Reischach unterlegen, doch an der Kooperation will der Bürgermeister nicht rütteln


"Lasst die Schule im Dorf": Mit derlei Sprüchen hatten die Erlbacher am Dienstag für ihren Standort demonstriert. Dass Reischachs Bürgermeister Herbert Vilsmaier und die Seinen mit ihrem Antrag gescheitert sind, soll ihm zufolge nicht das Ende für die VG bedeuten. − F.: Kleiner

Erlbach. Die Erlbacher Grundschule bleibt, doch wie sieht es mit der Zukunft der Reischacher Mittelschule und der der ganzen Verwaltungsgemeinschaft aus? Nach dem Aus für den Reischacher Antrag, die eigenen Grundschüler künftig in Reischach zu unterrichten, beginnt in der Holzlandgemeinde die Suche nach einem Plan B. Eines macht Bürgermeister Herbert Vilsmaier dabei jetzt schon deutlich: Trotz Abstimmungsniederlage will man weiter auf Zusammenarbeit mit Erlbach und Perach setzen.

Mit sechs gegen vier Stimmen hatten die VG-Räte aus Erlbach und Perach wie berichtet am Dienstagabend das Reischacher Ansinnen zu Fall gebracht. Damit bleibt vorerst alles beim alten. Die Reischacher Grundschüler werden weiter in Erlbach unterrichtet, die arg ausgedünnte Mittelschule bleibt auf sich gestellt.

Auf gerade mal drei Klassen kommt die Mittelschule aktuell noch. Tendenz weiter sinkend, weil die Übertritte auf höhere Schulen mehr werden und zugleich die Nachwuchszahlen zurückgehen.

Wie aber kann die Reischacher Mittelschule im Wettbewerb mit Realschulen und Gymnasien mithalten? Erste Gespräche dazu habe es bereits gegeben, sagt Vilsmaier. Am Mittwochabend sei man mit Schulleitung und Eltern im Schulhaus zusammengekommen. Jetzt müsse man prüfen, "was möglich ist".

Was Vilsmaier zufolge nicht passieren wird, ist, dass die in den Raum gestellte Drohung eines Austritts aus der Verwaltungsgemeinschaft in die Tat umgesetzt wird. Man wolle vielmehr versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden. "Wir reden nach wie vor miteinander", beruhigt er.

Einfach wäre ein Ausstieg aus der VG ohnehin nicht. Die rechtlichen Hürden sind hoch. Sehr hoch sogar, denn eine Gemeinde kann gegen den Willen der anderen Mitgliedskommunen nicht einfach nach Belieben austreten. Dazu bedarf es einer Entscheidung des Landtages. Eine Auflösung könne "nur durch Gesetz" erfolgen, heißt es in der Gemeindeordnung.

Tatsächlich müsse jeder Einzelfall vom Landtag geprüft und darüber per formellem Gesetz entschieden werden, bestätigt Abteilungsleiter Fritz Stinglwagner von der Rechtsaufsicht des Landratsamtes. Um aussteigen zu können, muss eine Kommune vereinfacht gesagt gewährleisten können, dass sie die bisher geteilten Aufgaben auch alleine problemlos bewerkstelligen kann – und dass dabei die anderen VG-Gemeinden nicht zu kurz kommen. Würde Reischach tatsächlich diesen Schritt wagen, sehe er aktuell kaum Aussicht auf Erfolg, sagt Justiziar Stinglwagner. Das sei "äußerst fraglich".

Darauf ankommen lassen will es Bürgermeister Vilsmaier ohnehin nicht. "Momentan sind keine gravierenden Schritte geplant", sagt er. Stattdessen gelte es, den Bestand der Mittelschule zu sichern. Angesichts der regen Teilnahme an Eltern bei dem Gespräch am Mittwoch habe er die Hoffnung noch nicht aufgegeben, im nächsten Schuljahr doch wieder drei Klassen zusammenzubekommen.

Falls daraus nichts wird und es auch mittelfristig keine Aussicht auf Bestandssicherung gibt, steht noch eine weitere Möglichkeit im Raum: die einer nicht-staatlichen Schule. Die Idee dazu hatte Perach aufgebracht.

Bereits in der VG-Sitzung am Dienstag war das Thema zur Sprache gekommen, allerdings nur kurz, denn Perachs Bürgermeister Georg Eder warnte davor "Eier zu zertreten, bevor sie gelegt sind". Zwar ließ im Folgenden auch er sich zu einigen konkreteren Aussagen hinreißen, etwa, dass vor allem ein freier, nicht an staatliche Schulsprengel und dergleichen gebundener Träger sinnvoll sein könnte, jedoch stellte er auch klar, dass alle infrage kommenden Möglichkeiten erst einmal genauer unter die Lupe genommen werden sollten, bevor in der Öffentlichkeit über das Für und Wider diskutiert wird. − ckl

 

(ANA vom 20.12.204)