Reischach: Neues Konzept zur Schul-Rettung

Ganztagesangebot bis 16 Uhr und M-Förderung geplant – Für die Zukunft ist "eine Art Gemeinschaftsschule" angedacht

 

Reischach. Mit einem neuen Konzept für die Mittelschule soll der seit längerer Zeit anhaltende Rückgang der Schülerzahlen gestoppt werden. In einem Pressegespräch haben die Verantwortlichen von Schule, Verwaltungsgemeinschaft (VG), Elternbeirat und Pfarrei und in dieser Woche die Grundzüge skizziert.

Die grundlegende Problematik ist in den vergangenen Wochen mehrfach beschrieben worden: Aktuell fahren derzeit 46 der 97 Mittelschüler aus dem Bereich der VG Reischach in andere Mittelschulen. Eine Tatsache, für die die VG jährlich rund 35000 Euro an Transportkosten berappen muss. Aber auch ein Grund für den Gemeindeverbund andere Wege auszuloten: "Wir denken aktuell darüber nach, ob wir nicht eine andere Schule errichten können, eine Art Gemeinschaftsschule" sagte Perachs Bürgermeister Georg Eder in dem Gespräch mit dem Anzeiger im Beisein seiner Bürgermeisterkollegen Herbert Vilsmaier (Reischach) und Franz Watzinger (Erlbach).

Bei der Gründung einer kirchlich anerkannten Privatschule sei man mit der Kirche auf einem "guten Weg". Auf einem anderen Blatt stehe dabei allerdings die Klärung mit den staatlichen Stellen und der Lehrerversorgung, das sei schwierig und gehe nicht "von heute auf morgen". Für ihn sei aber klar: "Wie die Schule jetzt ist, ist sie am Ende". Eder übte Kritik am staatlichen Schulsystem mit dem bestehenden Schulverbund: "Der war und ist für unsere Schule kontraproduktiv". Gleichsam wie ein "Turbo" würde er das Ganze beschleunigen, allerdings nur einseitig. Wenn man andere Verbünde ansehe, etwa Garching, gäbe es da ein Geben und ein Nehmen. "Bei uns gibt es eindeutig nur ein Nehmen", so Eder. Die Einführung des Verbundes von staatlicher Seite sei nicht die Lösung, sondern die Verantwortung sei eine andere, sagte er. "Der Staat kann sich nicht hinstellen und sagen, wir lösen keine Schule auf. Aber die Mechanismen greifen so, dass man die Schule dann doch auflösen muss". Hier ziehe sich der Staat aus der Verantwortung zurück.

Pfarrer Ludwig Samereier bezeichnete dabei das Bemühen etwa der Hochschulen für eine bewusste Dezentralisierung ihrer Häuser auf das Land als den "richtigen" Weg, der des Verbundes aber sei umgekehrt und zu überdenken.

Zur Schülerbeförderung: Die VG hat nach den Worten von Bürgermeister Georg Eder aktuell den gleichen Sachaufwand – cirka 32000 Euro – zu leisten, wie in Zeiten, als noch nicht so viele Schüler nach auswärts transportiert worden seien, so Eder. Jetzt kämen diese Kosten noch dazu, rund 35000 Euro jährlich. Dies sei eine Spirale, die "zum Tode führen" müsse, von den ständigen Problemen bei der Bus-Beförderung ganz zu schweigen. Ein Jahr mindestens plane man für die Umsetzung einer neuen Schule ein, so Eder, diese Zeit gelte es zu nutzen.

Helfen solle dabei das entwickelte Konzept "Neue Mittelschule Reischach" mit dem Ziel, die positiven Seiten der Bildungseinrichtung noch besser herauszustellen. Ein Ganztagesangebot bis 16 Uhr mit Hausaufgabenbetreuung und Förderung, auf Wunsch auch am Freitagnachmittag, findet sich im zusätzlichen Angebotsportfolio der Schule ebenso wie eine M-Förderung. Ein Übertritt in die M-Klasse sei nicht nur nach der sechsten Klasse, sondern auch noch nach der neunten Klasse möglich, stellt Schulleiter Anton Gschrei klar. Mit einem zusätzlichen Förderangebot ab der siebten Klasse, etwa in den Fächern Mathe, Englisch und Deutsch, könnten Schüler motiviert werden, bis zur neunten Klasse die Mittelschule Reischach zu besuchen und damit optimal auf die (zehnte) M-Klasse und damit auf den Mittleren Schulabschluss vorbereitet zu werden.

Kosten für Fachpersonal: Zusage von der VGQualiförderung in der neunten Klasse mit einer zusätzlichen Stunde sowie eine konkrete Vorbereitung in den Pfingstferien durch eine externe Lehrkraft nehme die Schule als Zusatzangebot auf. Die Kosten hierfür erforderlichen Fachpersonals zu übernehmen, etwa einer pensionierten Lehrkraft, hätten die VG-Bürgermeister bereits zugesagt, so Gschrei.

Zugesagt habe auch die Diözese Passau, sich im nächsten Schuljahr mit zwei zusätzlichen schulpastoralen Stunden der Werteerziehung, konkret für Schulleben und Schulkultur, finanziell zu engagieren. − mbu

 

(ANA vom 19.02.2015)