Schulstreit: Externer Gutachter darf noch nicht ran

VG-Versammlung beschließt gegen vier Reischacher Stimmen: Vorher soll Auftrag präzisiert und Kostenrahmen ermittelt werden – Emotionale Debatte

 

Reischach. In emotionaler Weise ist der Schulstreit bei der Gemeinschaftsversammlung der Verwaltungsgemeinschaft (VG) am Donnerstag zur Sprache gekommen. Nach längerer, stellenweise hitziger Debatte wurde der Reischacher Antrag, einen unabhängigen Gutachter einzuschalten, abgelehnt. Im Vorfeld soll erst der Auftrag präziser formuliert werden.

Um den Reischacher Antrag hatte es schon im Vorfeld Verwirrung gegeben: Wie berichtet hatte der dortige Gemeinderat am 14. Januar knapp beschlossen, bei der VG eine Expertise zu beantragen. Damit verbunden solle "die anhängige Problematik" gelöst werden. Bei der VG-Verwaltung wartete man in der Folge auf eine präzisere Ausformulierung des Antrags, die dann aber nicht erfolgte. Damit glaubte man zunächst, der Antrag würde fallen gelassen. Er sollte dann ursprünglich gar nicht auf der VG-Tagesordnung erscheinen. Erst am Tag vor der Sitzung kam man überein, ihn unter "Anträge" doch zu behandeln.

"...da war ich schon etwas angefressen", sagte der VG-Vorsitzende, Erlbachs Bürgermeister Franz Watzinger auch angesichts der "dürftigen" Formulierung. Man habe ihn aber nicht beiseite lassen wollen, um das Klima nicht noch weiter anzuheizen. Angesäuert zeigte sich auch Lorenz Grätzl: Aus der Zeitung habe man erfahren müssen, dass der Antrag nicht behandelt werden solle. Er erläuterte, worum es Reischach gehe: Man wolle von unabhängiger Seite prüfen lassen, ob es noch zeitgemäß sei, Reischacher Grundschüler mit dem Bus auswärts zu fahren, während das eigene Schulhaus immer mehr Leerstand hat.

Watzinger verwies auf eine 2011 erfolgte "Evaluierung" der Schule, Grätzl erwiderte, diese habe andere Fragen behandelt als die Schulstandorte. Hier widersprach Perachs Bürgermeister Georg Eder. Stefan Scholze beharrte, es gehe aus Reischacher Sicht vor allem darum, auch die Buskosten-Problematik zu lösen. Eder hielt dem entgegen, Perach habe die meisten Schüler, die am Standort zu Fuß zur Grundschule gehen könnten.

"Jedes Dorf kämpft um seine Schule" Es war auch Eder, der massiv darauf drängte, vorab die Fragestellung des Gutachtens präziser zu formulieren und den Kostenrahmen abzuschätzen. Die Reischacher Räte sahen es genau andersherum. So sagte Alfred Stockner, erst müsste einmal der grundsätzliche Beschluss gefasst werden, das Gutachten in Auftrag zu geben. Dann könne man Details festzurren. Lorenz Grätzl sagte, man solle mit einer solchen Vorgabe den Gutachter nicht von vornherein zu sehr festlegen: "Sonst ist er nicht unabhängig." Stefan Scholze äußerte in Richtung der Peracher und Erlbacher Räte die Vermutung, "...dass ihr uns hier abblocken wollt!"

Josef Weidinger merkte in Richtung der Reischacher an, "es geht um die Schließung des Erlbacher Schulhauses – warum sprecht ihr das nicht aus?" Auch Sonja Latein vermutete, der "Hintergedanke" sei doch klar, dass die Grundschule nach Reischach kommen solle. Franz Watzinger meinte, jedes Dorf kämpfe um seine Schule, in Erlbach sei der Dorfcharakter und damit die Bindung noch stärker ausgeprägt als in Reischach. Und: Die Erhaltung des Standortes Erlbach würde der VG deutlich billiger kommen als die Verlagerung der Grundschüler nach Reischach. Lorenz Grätzl entgegnete, Sinn des Gutachtens solle die Stärkung der Mittelschule Reischach sein.

Georg Eder forderte mehrfach, man dürfe die Problematik nicht nach Gemeinden getrennt sehen, sondern die VG müsse gemeinsam Lösungen finden. Sonja Latein sagte, ehe man das Gutachten in Auftrag gebe, müsse der Erlbacher Gemeinderat die Zeit haben, noch mal zu beraten. Alfred Stockner hielt entgegen, das Thema sei mehrfach im VG-Rat beraten worden, habe sogar schon mal kurz vor der Abstimmung gestanden.

Nachdem sich Räte aus Perach und Erlbach einige Minuten zur internen Beratung zurückgezogen hatten und noch über das weitere Procedere diskutiert worden war, kam der Reischacher Antrag zur Abstimmung. Er wurde mit 4:6 Stimmen abgelehnt.

In der Folge wurde die Verwaltung einstimmig beauftragt, herauszufinden, wer das Gutachten erstellen könnte, die Bandbreite der Fragen zu formulieren und den Kostenrahmen zu ermitteln.

"...und was ist, wenn die Verwaltung niemand findet?", fragte daraufhin Lorenz Grätzl: "Kann dann jemand anderer suchen?" Georg Eder fand dies "misstrauisch" und betonte, wenn die Verwaltung von der VG-Versammlung beauftragt werde, führe sie diesen Auftrag auch aus.

Unter den Zuhörern der Sitzung waren neben Pfarrer Ludwig Samereier auch die Schulleiter Anton Gschrei (Mittelschule) und Peter Mayer (Grundschule) − afb

 

(ANA vom 28.02.2015)