Schulstreit: Jetzt soll es der Elternwille richten

Gruppierung um Franz Reischl sammelt Unterschriften – Oberwallner-Saal war bei Veranstaltung zum Thema rappelvoll



Sie wollen den "Elternwillen" durchsetzen: Die Aktivisten der Elterninitiative "Schule Reischach" am Podium mit Veronika Scholze (von links), Hermann Haider, Frank Waitzhofer, Stefan Demmelhuber, Hildegard Kriegl und Franz Reischl. − Fotos: Buchberger

Reischach. Der Schulstreit im Holzland (der Anzeiger berichtete mehrfach darüber) geht in eine neue Runde: Jetzt soll es "der Elternwille" richten. Zumindest wenn es nach dem Willen der Reischacher Eltern geht.

Dass das Thema "Reischacher Kinder in die Reischacher Schule" derzeit das Topthema in der Holzlandgemeinde ist, zeigte am Freitagabend ein rappelvoller Oberwallner-Saal: Eingeladen hatte die Elterninitiative "Schule Reischach", um über ihre Vorstellungen zur "Umsetzung des Elternwillens" und den Erhalt des Reischacher Schulstandortes zu informieren.

"Politisch sind wir am Ende der Straße" Die elfköpfige Gruppierung um Franz Reischl möchte den Trumpf mit einer Unterschriftenaktion bei den Eltern der Kindergartenkinder, der Vorschul- und Grundschulkinder der 1. und 2. Jahrgangsstufen ausspielen, freilich auch unter Einbeziehung der gesamten Reischacher Bevölkerung. Die Initiative glaubt, damit eine starke Gewichtung beim Schulamt zu erreichen und so mit diesem "Druckmittel" doch noch den Reischacher Kindern einen Grundschulbesuch an ihrem Heimatort zu ermöglichen, letztlich den Schulstandort Reischach stärken und erhalten.

Die "ungute Stimmung" bei der VG-Sitzung in Erlbach kritisierte Günter Scholze.

Zur Erinnerung: Der politische Weg war auf Grund der Mehrheitsverhältnisse in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Reischach gescheitert. Der VG-Rat stimmte im Dezember mit sechs Stimmen (aus Erlbach und Perach) bei vier Rei-schacher Pro-Stimmen gegen einen derartigen Reischacher Antrag. "Politisch sind wir mit demokratischen Mitteln am Ende der Straße", fasste es Gemeinde- und VG-Rat Alfred Stockner zusammen. Ein Tatbestand, der bei einigen Wortmeldern auf harsche Kritik stieß: Es sei nicht einzusehen, dass Reischach mit einem 52-Prozent-Anteil als einwohnerstärkste VG-Kommune und daher größten Zahler in den Gemeindeverbund, zudem mit 51 Prozent den Löwenanteil an Grundschülern besitzend, den wenigsten Einfluss in der VG habe. Zudem habe Reischach bereits mit der Schließung der Grundschule in Arbing im Jahr 2002 Federn lassen müssen. Eltern-Aktivist Günter Scholze erinnerte an die VG-Sitzung im Dezember in Erlbach mit der vorangegangenen Demonstration. Scholze: "Ich war entsetzt, wie Kinder etwa mit "Verräter"-Transparenten in der Hand Erwachsene, dabei vorwiegend Reischacher Gemeinderäte, blöd angesprochen haben". Es habe eine "ungute Stimmung" geherrscht, die seiner Meinung nach von den Eltern der Kinder geschürt worden sei. Er habe Aussagen von Eltern gehört, die Angst haben, dass ihre Kinder im Erlbacher Schulhaus gemobbt würden.

Wie denn eine Grundschule an eventuell drei Standorten zu realisieren sei, wollte eine Mutter wissen. Dazu Grundschul-Rektor Peter Mayer: "Mit den jetzt vorhandenen acht Lehrkräften wäre das nicht einfach umzusetzen, organisatorisch eine Herausforderung". Dazu habe man sich noch keine konkreten Gedanken gemacht. Die Frage über den weiteren Verbleib im Schulverbund, der in eineinhalb Jahren auslaufe, beantwortete Bürgermeister Herbert Vilsmaier. Man sei über den Verbund nur enttäuscht, man habe nur Nachteile, sagte er. Man bringe Schüler zu anderen Orten, bekomme aber selber, anders als beim Beitritt erhofft, keine zugewiesen. Das lehne die Verbund-Koordinatorin kategorisch ab. Es gebe daher Überlegungen, nach Ablauf der Periode aus dem Verbund auszutreten, sagte er. Eine Verbindung mit einem anderen Verbund, etwa mit Töging, würde er aus ähnlichen Gründen allerdings auch nicht befürworten.

Die Überlegung, die Schule eventuell aus der VG rauszubringen, sprach ein Vater an. Vilsmaier: "Wir prüfen zurzeit über die Rechtsaufsicht, die Schule aus dem Schulsprengel, nicht aus der VG, zu bringen. Das wird aber alles andere als einfach". Auch die Prüfung einer Schule unter privater, etwa einer kirchlichen Trägerschaft sei nicht vom Tisch, könne aber ebenso nur schwer umgesetzt werden. Zur Überlegung "für den Fall der Fälle", dass die Mittelschule nicht gestärkt und wegfallen würde, habe man sich im Gemeinderat Gedanken gemacht, sagte Alfred Stockner. Man könne die Schule auch einer anderen Nutzung zuführen, freilich unter Beibehaltung einer Grundschule. Das wäre für den Ort ein Mehrwert, sagte er, ohne aber Näheres dazu sagen zu wollen. "Mit der Mittelschule haben wir aber nicht abgeschlossen", sagte er. Er glaube aber, dass mit einer Grundschule allein das Schulhaus auch gut genützt werden könne, es würde jedenfalls nicht leer stehen. − mbu Die Listen der Unterschriften-Aktion "gelb" für Eltern der Kindergartenkinder, Vorschulkinder und Grundschulkinder der 1. und 2. Jahrgangsstufen sowie "weiß" für alle Bürgerinnen und Bürger aus Reischach und Arbing liegen in den nächsten beiden Wochen in der Handarbeitsstube Marlene Berger, dem Schreibwarenladen "Buntstift" und den Bäckereien Langreiter und Bruckmayer aus.

(ANA vom 31.3.2015)