"Gefahr für Leib und Leben der Kinder"

Brandschutz-Mängel an der Erlbacher Schule: Landratsamt ordnet Notmaßnahmen an – Thema heute im Gemeinderat


Innerhalb von drei Tagen musste die Gemeinde Erlbach auf Weisung des Landratsamtes zusätzliche Fluchtwege am Schulhaus schaffen. Mit Baugerüsten und Euro-Paletten wurde dies verwirklicht. − Foto: red

Erlbach. Hiobsbotschaft für die Gemeinde Erlbach: Das dortige Schulgebäude hat erhebliche Mängel beim Brandschutz. Das Landratsamt hat nun Notmaßnahmen angeordnet, um das Problem zumindest provisorisch zu beheben. Im Schul-Streit bedeutet dies enorme Nachteile für die finanzschwache Gemeinde: Denn die Zukunft des Hauses dürfte angesichts der wohl sehr teuren Nachrüstungen mehr denn je in Frage stehen.

"Besorgte Eltern" hatten sich jüngst an die Behörden gewandt: Ob denn beim Erlbacher Schulhaus in Sachen Brandschutz alles zum Besten stehe? Kreisbrandrat Werner Huber aus Töging besuchte das 55 Jahre alte Gebäude am 16. April alleine und am 21. April in Begleitung von Vertretern des Landratsamtes. Deren Antwort: Nein, das Gebäude ist nicht mehr auf dem Stand der Zeit, was den Brandschutz angeht. Zitat Werner Huber auf Nachfrage des Anzeigers: "Es besteht Gefahr für Leib und Leben der Schüler."

Vor 10 Jahren noch eine andere Einschätzung Es fehlten Notausgänge, außerdem sei die "Abschottung" des Treppenhauses gegen Rauch nicht zeitgemäß. In einer "Notmaßnahme" ordnete das Landratsamt an, zumindest die Rückseite des Gebäudes mit zwei Notausgängen zu versehen. Dies erschien so dringlich, dass es innerhalb von drei Werktagen zu geschehen hatte. Mit hölzernen "Europaletten" wurde der Notausgang aus dem Erdgeschoss, mit einem Baugerüst jener aus dem 2. Stock verwirklicht. Am Montag dieser Woche war die Abnahme der Maßnahme, die recht provisorisch aussieht.

Für Bürgermeister Franz Watzinger war die Nachricht, dass das Ende 1960 in den Schulbetrieb gegangene Gebäude brandschutztechnisch solche Mängel hat, eine totale Überraschung: Er verließ sich auf etwa zehn Jahre alte Protokolle von Begehungen mit dem Kreisbrandrat. Dieser sei darin sinngemäß zitiert mit dem Hinweis, das Schulhaus sei sicher – "ein Haus in dieser Größe braucht keine zweite Fluchtmöglichkeit", habe es damals wörtlich geheißen. Auch der "Sicherheitsbeauftragte" der Gemeinde habe in der Zwischenzeit keinen Handlungsbedarf gesehen. Überhaupt will er dem Eindruck entgegen wirken, dass in Erlbach nachlässiger gearbeitet worden sei als anderswo: Auch an den Schulen in Erlbach und Reischach sei das jetzige Level in Sachen Brandschutz erst über vom Landratsamt verordnete Notmaßnahmen verwirklicht worden.

Dass die Mängel beim Brandschutz ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt aufkommen, wo es im Rahmen des "Schul-Streits" um die generelle Zukunft des Gebäudes geht, hat aus Watzingers Sicht einen üblen Beigeschmack. Wie berichtet gibt es in Reischach Bestrebungen, die dort beheimateten Kinder nicht mehr an den Schul-Standort Erlbach (und Perach) zu schicken, sondern im Reischacher Schulhaus zu unterrichten.

Klar ist, dass eine dauerhafte Beseitigung der Brandschutz-Mängel größere Summen kosten und ein riesiges Loch in den Etat der finanzschwachen Gemeinde reißen würde. Watzinger mochte sich gestern nicht näher äußern und verwies auf die Sitzung des Gemeinderats am heutigen Mittwoch, 29. April, ab 19 Uhr: Dort wolle man die für alle überraschende neue Lage diskutieren und beraten, wie weiter vorzugehen ist. Freilich werde dies angesichts der Brisanz des Themas im nichtöffentlichen Teil geschehen, so Watzinger. Entscheidungen müssen rasch fallen: Denn das Landratsamt drängt darauf, dass zum neuen Schuljahr 2015/16 die Brandschutz-Mängel beseitigt sind. Die Arbeiten müssten also während der großen Ferien im August/September erfolgen.

Für Franz Reischl, den Sprecher der "Elterninitiative Schule Reischach", unterstreicht die neue Entwicklung die Richtigkeit der Reischacher Forderungen: Die Reischacher Grundschüler sollten auch in Reischach zur Schule gehen. Dass man Geld ausgebe, um sie mit dem Bus nach Erlbach zu fahren, in ein Schulhaus, wo es offensichtlich Sicherheitsmängel gebe, empfindet er als aberwitzig. Reischl bezweifelt, dass das Erlbacher Schulhaus in anderen Aspekten modernen Ansprüchen genügt: "Ob da in Sachen Elektrotechnik alles in Ordnung ist...?"

Brandschutz an Schulen: Das sagt das Gesetz: Dass man offensichtlich erst jetzt, im Zuge des Schul-Streits, auf den mangelhaften Brandschutz des Schulhauses Erlbach aufmerksam wurde, liegt an den gesetzlichen Vorgaben: Wie der Sprecher des Landratsamtes Altötting, Klaus Zielinski, auf Nachfrage des Anzeigers sagte, müssen "Versammlungsstätten" (z. B. Gasthäuser) und Kindergärten alle drei Jahre turnusmäßig in dieser Hinsicht untersucht werden. Für Schulen gilt diese Frist nicht. Hier ist allgemein die Gemeinde zuständig. In welchen Zeiträumen die Verwaltungen die Untersuchungen anberaumen ist nach der gültigen Gesetzeslage im Wesentlichen ihnen überlassen. − afb

(ANA vom 29.04.205)