Gemeinde investiert 50 000 Euro in Brandschutz

Rechtlich droht der Erlbacher Schule keine Gefahr – Erlbacher fürchten: Schulstreit geht auf Kosten der Kinder



Bürgermeister Franz Watzinger am Rednerpult bei der Info-Veranstaltung am Mittwoch. − Foto: Schlierf

Erlbach. Volle Rückendeckung haben die Erlbacher ihrem Bürgermeister Franz Watzinger im Schulstreit zugesichert. Die Gemeinde kann also um ihre Schule kämpfen. Um die jüngst öffentlich gewordenen Probleme mit den Brandschutzvorschriften zu lösen, wird die Gemeinde kräftig investieren, versprach Watzinger: "Ich habe vorsorglich 100 000 Euro im Haushalt eingestellt. Kosten werden die Umbaumaßnahmen voraussichtlich 50 000 Euro."

Groß war das Interesse an der Infoveranstaltung am Mittwoch beim Dorfwirt. Nicht nur viele Eltern waren gekommen, sondern auch fast alle Gemeinderäte, Lehrer und Schulleiter Peter Mayer.

Auslöser der Brandschutzdiskussion war ein Schreiben Reischacher Eltern, das vor Ostern bei der Verwaltungsgemeinschaft eingegangen ist. Mitte April nahm dann der Kreisbrandrat das Gebäude in Augenschein und stellte fest, dass Nachbesserungen notwendig seien (Anzeiger berichtete). "Das hat uns eingeleuchtet", erzählte Watzinger von der Situation damals. Doch wenige Tage später rückte das Bauamt an und drohte mit sofortiger Nutzungsuntersagung. Das konnte Watzinger noch abwenden: "Wir hatten bis 27. April Zeit, die provisorische Brandschutztür und die Notausgänge zu schaffen. Das haben wir auch gemacht."

Am meisten stört den Bürgermeister die Vorgehensweise, zumal es Protokolle aus dem Jahr 2004 gebe, als das Schulhaus in Perrach mit dem Kreisbrandrat begangen worden ist: "Das hat man analog übertragen auf das Erlbacher Schulhaus und der Kreisbrandrat ist im Protokoll damit zitiert, dass ein Gebäude in dieser Größe keine zweite Fluchttreppe braucht und die eingebauten Rauchmelder ein adäquater Ersatz für Rauchschutztüren sind." Darauf habe sich die Gemeinde verlassen. In den Sommerferien soll das Gebäude auf den neuesten Stand des Brandschutzes gebracht werden. Damit ist die Schule unangreifbar.

Rein rechtlich hat die Erlbacher Schule vorerst nichts zu befürchten, unter einer Voraussetzung, wie Watzinger betonte: "Perach und Erlbach müssen zusammenhalten. Solange das so ist, haben wir im VG-Rat eine Mehrheit." Damit hätten Anträge gegen den derzeit gültigen VG-Beschluss keine Chance. Die Rechtslage ist also klar. Ob die Reischacher Eltern wollen oder nicht: Sie müssen ihre Erstklässler am ersten Schultag nach Erlbach schicken, so Watzinger. Weigern sie sich, wie bereits angedroht, machen sie sich strafbar. Im Extremfall rückt die Polizei an.

Da eine solche Eskalation aber vor allem auf Kosten der Kinder gehen dürfte, soll es soweit nicht kommen, waren sich die Erlbacher einig. Schon jetzt belaste der Konflikt das Schulleben, mahnte Sonja Latein: "Auch die Kinder bekommen die Streitereien in der Schule mit und haben untereinander Konflikte deswegen."

Langfristig wünschte sich Watzinger, dass die drei Schulstandorte wieder besser zusammenarbeiten, denn der demografische Wandel droht allen: "Die Kinder werden einfach weniger. Dieser Tatsache müssen auch wir ins Auge schauen". Tatsächlich sind für das kommende Schuljahr neun Erlbacher Kinder für die Klassen 2 und 3 angemeldet, die 4. Klasse werden sechs Kinder besuchen. Eingeschult werden sechs Kinder aus Erlbach, während es in Reischach 22 und in Perach 15 Kinder sind.Schlecht sieht es hingegen für die Mittelschule Reischach aus, die sich langsam auflöse, wie Watzinger erklärte. Sicher sei bisher lediglich, dass es im nächsten Schuljahr eine 9. Klasse mit 14 Schülern geben wird. Die 7. Klasse kommt mit neun Kindern nicht mehr zu Stande und ob es eine 5. Klasse geben wird, sei fraglich, skizzierte der Bürgermeister das zu erwartende Szenario.

Einige Erlbacher äußerten bei der anschließenden Diskussion den Verdacht, dass das nahe Ende der Mittelschule in Reischach der wahre Grund für die Drohgebärden der Elterninitiative sei. Man wolle eben nicht, dass das relativ große Schulgebäude dort leer steht.

Wirtschaftlich vernünftig sei das allerdings nicht, wie VR-Gemeinderat Josef Weidinger mit Blick auf den Kostenvergleich je Schüler zeigte: In Reischach seien das 2774 Euro, in Erlbach und Perach lediglich 928 Euro. "Die zwei kleinen Schulhäuser sind also günstiger zu betreiben als das große in Reischach", fasste er zusammen.

Unter den Zuhörer keimte außerdem der Verdacht auf, dass nicht nur einige Eltern ein Interesse daran haben, die Reischacher Kinder vor Ort unterrichten zu lassen, sagte VR-Gemeinderätin Sonja Latein: "Uns fällt das starke Interesse des Sportvereins am Erhalt der Turnhalle auf, damit sie die weiter nutzen können. Die Mitglieder der Elterninitiative sind überwiegend im Sportverein."

Ein sachlicher Dialog ist es letztlich, den sich die Erlbacher von der Nachbargemeinde wünschen, auch von der Elterninitiative, denn als kleine Gemeinden müsse man zusammenhalten, statt sich zu bekämpfen. − ps

 

(ANA vom 8.5.2015)