Paukenschlag im Schulstreit im Holzland

Erlbacher Schulhaus vor dem Aus – Reischach wird 2017 neuer Grundschulstandort – VG verlegt Sitz 2017 nach Erlbach

von Manfred Buchberger

 


Der Reischacher Sitzungssaal konnte die vielen Zuhörer nicht fassen. Etwa 20 Personen mussten sich mit einem Platz im Flur begnügen. − F.: mbu

Reischach. Es war ein echter Paukenschlag: Das Ende der Erlbacher Schule ist überraschender Weise eingeläutet worden – allerdings erst zum Ende des kommenden Schuljahres. Für das neue Schuljahr sind die bisherigen Schulhäuser in Perach und Erlbach noch für den Grundschulunterricht festgelegt worden. Erst mit der Klassenbildung 2016/2017 löst das Reischacher Schulhaus das Erlbacher Haus als Bildungsstätte für vier Klassen ab.

 

Dieses Ergebnis erbrachte die kurzfristig anberaumte Sondersitzung der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Reischach am Donnerstag im Reischacher Rathaus. Die Tragweite des Beschlusses ahnten wohl die nahezu 100 Zuhörer aus allen drei VG-Gemeinden, sie brachten den Sitzungssaal förmlich zum Platzen. Einige saßen sogar auf den Boden, viele mussten mit einem Platz auf dem Flur vorlieb nehmen.

 

Während das Reischacher Haus übergangsweise für ein Jahr lang gänzlich mit Schülern verwaist ist, wird sich für das Erlbacher Schulgebäude zu Beginn 2017 eine völlig neue Nutzung ergeben: Die Verwaltungsgemeinschaft wird ihren Sitz von Reischach nach Erlbach verlegen, das bisherige Schulgebäude wird zum Bürogebäude umfunktioniert.

 

In einem sechs Punkte umfassenden Papier hat VG-Vorsitzender Franz Watzinger die Eckpunkte für die organisatorische Umsetzung dem Ratsgremium vorgestellt. "Nägel mit Köpfen" wurden dabei bereits für die kommenden Reischacher ABC-Schützen gemacht: Die Schulanfänger der größten VG-Gemeinde können bereits jetzt in einer Klasse beisammen bleiben, die Kinder werden nicht mehr getrennten Klassenverbänden zugewiesen.

 

Geregelt wurde auch die Kostenfrage zu den Schulhäusern: Jede Mitgliedsgemeinde hat die Kosten für das in seinem Hoheitsgebiet liegende Schulhaus ab 1. August diesen Jahres allein zu tragen. Die Kosten des Hausmeisters werden nach dem VG-Kostenverteilungsschlüssel umgelegt.

 

Schließlich wurde das Eckpapier ohne Diskussion vom Ratsgremium einstimmig verabschiedet. Vor der Abstimmung gab VG-Rätin Sonja Latein noch ein Statement zu ihrer Entscheidung ab, dies auch namens ihrer Erlbacher Ratskollegen Josef Weidinger und Franz Watzinger: "Wir VG-Räte aus Erlbach bedauern die Entwicklung in der VG und finden es nicht richtig, dass eine Gruppierung ohne Mandat eine solche Macht ausübt. Wir sehen keinen pädagogischen und wirtschaftlichen Nutzen in der Angelegenheit, bei der unnötig Steuergelder verschwendet werden. Nach langem ,Hadern‘ sind wir zu dem Entschluss gekommen, dennoch mit der Mehrheit zu stimmen, da sich sonst bei weiteren Verhandlungen für Erlbach Nachteile ergeben könnten und das für uns nicht vertretbar wäre. Für den weiteren Umgang miteinander ist es hinderlich, wenn man so gruppenbezogen denkt", so das Statement der Erlbacher.

 

Und auch die Abstimmung für den zweiten Tagesordnungspunkt erging einmütig, was in der jüngsten Vergangenheit beim Hickhack um die Schule in der VG eher die Ausnahme war. Hintergrund hierzu war der bei der Sitzung vor zwei Wochen gestellte Antrag der Schülereltern der künftigen siebten Klasse auf Beschulung ihrer Kinder an der Mittelschule Winhöring, dazu eine kostenlose Schülerbeförderung. Die Entscheidung darüber war auf die jetzige Sondersitzung verschoben worden (der Anzeiger berichtete).

 

Mangels entschiedener Gastschulanträge bis zum Sitzungsbeginn entschied der Rat auf Vorschlag Watzingers präventiv: Sollten die Gastschulanträge von allen zuständigen Stellen genehmigt werden, wird die VG – bei mindestens sechs Schülern – einen Bustransfer nach Winhöring organisieren und finanzieren, so der Ratsbeschluss.

 

 

Reaktionen nach der Sitzung

 

Stefan Demmelhuber, Aktivist der Elterninitiative Reischach: "Die Vernunft hat gesiegt. Es ist jetzt endlich im Sinne der Kinder entschieden worden. Die Grabenkämpfe in der VG sind jetzt Gottseidank einmal beendet. Für die Zukunft ist in der VG wieder ein Handeln möglich".

 

Franz Reischl, ebenso Aktivist: "Wir haben immer mit fairen Mitteln um die Möglichkeit gekämpft, die Reischacher Kinder am Heimatort zu unterrichten. Dafür möchte ich der Bevölkerung danken, die uns dabei stark unterstützt hat. Für die VG ist dies eine zukunftsweisende Lösung".

 

Gabriele Maierhofer, Erlbacher Mutter: "Wer am lautesten schreit, hat recht gekriegt. Es ist traurig, dass die Elterninitiative so viel Macht hat. Es gab bereits einen Beschluss pro Erlbacher Schulhaus. Wir haben uns eigentlich sicher gefühlt. Dass das jetzt so schnell gekippt wurde, ist für unsere Kinder nicht das beste Vorbild".

 

(ANA vom 01.08.2015)