Die "gute alte Zeit" ist hier lebendig

Massenbesuch beim Reischacher Dorf-und Erntefest – Feiern mit Gästen aus der ungarischen Partnergemeinde

 


An den Menschenmassen vorbei bahnten sich die Rösser mit dem "Troadwagen" ihren Weg, gefolgt vom "Gesinde", das an seine Schauplätze strebte. − Fotos: Buchberger

Reischach. Im vergangenen Jahr machten kräftige Regengüsse dem Dorf- und Erntefest einen Strich durch die Rechnung, es wurde ersatzlos abgesagt. Am Sonntag passte das Wetter ideal, ein "Altweibersommertag" mit einer Temperatur über der 25-Grad-Marke lockte Besucher aus Nah und Fern an.

Waren es beim größten Fest der Gemeinde vor drei Jahren schon an die 4000 Gäste, so bevölkerten den Umgriff um die Kirche diesmal noch weitaus mehr Menschen. Ein Umstand, der Bürgermeister Herbert Vilsmaier mit der Sonne um die Wette strahlen ließ, er nannte den Besucheransturm eine "Rekordmarke". Voller Freude war das Vilsmaier auch, dass sich eine 23-köpfige Delegation aus der ungarischen Partnergemeinde Magyarbóly um deren Bürgermeister Attila Blázsovics extra für das Fest auf den Weg ins 800 Kilometer entfernte Holzland gemacht hatten.

Er war einer der "Stars" unter den Bulldog-Oldies: der alte Lanz-Bulldog, Baujahr 1939, von Hans Huber aus Pfarrkirchen

Mittags, noch vor dem offiziellen Beginn, war an den unzähligen Biertischgarnituren kaum noch ein Platz zu ergattern. Pünktlich um 13.30 Uhr kündigten die Böllerschützen auf dem Zoglerberg dann den Tross mit dem vollbeladenen "Troadwagen" und den ganzen "Fuhrwerk und Leut‘" an – angeführt von der Blaskapelle Reischach, die den musikalischen Festrahmen bestritten. Begrüßt und vorgestellt wurden die Mitwirkenden – viele davon aus den Ortsvereinen, aber auch aus der Nachbarschaft – von Moderator Hubert Kleinillenberger. Zu sehen war eine Menge: Bäuerliches Leben und Brauchtum aus vergangenen Zeiten, Handwerk von "Anno dazumal", aber auch eine Großauswahl an Bulldog-Oldtimern, die vor allem die Herzen der Fans dieser Fahrzeuge höher schlagen ließ.

Über 100 Jahre hat der "Hatz"-Standmotor mit Holzkessel auf dem Buckel, den Koloman Sigrüner aus Waldberg (re.) mit Sohn Simon anwirft.

Dicht gedrängt standen Jung und Alt bei den Vorführungen aus der "guten alten Zeit". Schweißtreibendes Drischl-Dreschen mit Holzdreschflegeln, Knechte und Mägde auf dem Dreschwagen, ein etwa 100 Jahre alter so genannter "Widder" im Einsatz, ein ebenso alter Stand-Motor oder ein "Glühkopfmotor": Alle Schauplätze wurden neugierig belagert und vieles hinterfragt. Sogwirkung hatten auch die Handwerke aus früherer Zeit. So zeigten etwa Zimmerer, Sattler, Töpfer, Spinner, Imker oder Näherinnen ihre Künste mit altem Werkzeug und Gerät. Für die Besucher gab es auf den vielen Ständen Brotzeiten aller Art. Und auch das "Gesinde" durfte sich nach der schweren Arbeit mit einer "Drescher-Suppe" ordentlich stärken – einem sauren Lüngerl mit Semmelknödel und "Bauernkiache". − mbu

(ANA vom 15.08.2015)

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