"Partnerschaft war vom ersten Tag an belebt"

Zehn Jahre Partnerschaft zwischen Reischach und Magyarbóly: Delegation aus dem Holzland besucht die Freunde in Ungarn

von Manfred Buchberger


 


 

Nach zehn Stunden Busfahrt stellte sich die Reisegruppe, angeführt von Bürgermeister Herbert Vilsmaier (4. von links), bei der Ankunft in Magyarbóly zum Erinnerungsfoto. − Fotos: Buchberger

Nach zehn Stunden Busfahrt stellte sich die Reisegruppe, angeführt von Bürgermeister Herbert Vilsmaier (4. von links), bei der Ankunft in Magyarbóly zum Erinnerungsfoto. − Fotos: Buchberger

Reischach/Magyarbóly. Ein Gemälde des Reischacher Künstlers Kurt Landthaler ziert seit Samstag das Gemeindehaus von Magyarbóly: Bürgermeister Herbert Vilsmaier hat das mit Ölfarben geschaffene Werk der ungarischen Partnergemeinde beim Festakt zum zehnjährigen Partnerjubiläum im Kulturhaus der 900-Seelen-Gemeinde seinem dortigen Bürgermeisterkollegen Attila Blázsovics überreicht.

Das Bild des Hobbymalers und früheren Rektors Landthaler zeigt die Ortsansicht der Holzlandgemeinde von Süden. "Von der Bildansicht eine echte Rarität", bezeichnete Vilsmaier das Kunstwerk bei der Übergabe. "Bisher gibt es nur Bilder mit einer Ostansicht des Dorfes". Wegen eines häuslichen Unfalls gesundheitsmäßig lädiert, konnte Reischachs Gemeindeoberhaupt auf den letzten Drücker dann doch mit auf die lange Reise gehen.

Einladung zum Dorf- und Erntefest ausgesprochenBlázsovics wiederum revanchierte sich mit einer Erinnerungstafel aus Kupfertreibarbeit zum Jubiläum bei seinem Kollegen, der wie Altbürgermeister Manfred Gesierich längst Ehrenbürger der südtransdanubischen Gemeinde ist. Geschaffen hatte das Gegengeschenk ein bekannter örtlicher Künstler, wie Blázsovics erklärte. "Den Platz dafür weiß ich schon", verriet Vilsmaier.

Das Ölgemälde von Reischach vom Reischacher Maler Kurt Landthaler mit der Überreichungsurkunde als Gastgeschenk überreicht hier beim Festakt Bürgermeister Herbert Vilsmaier an seinen ungarischen Kollegen Attila Blázsovics (rechts).

Das Ölgemälde von Reischach vom Reischacher Maler Kurt Landthaler mit der Überreichungsurkunde als Gastgeschenk überreicht hier beim Festakt Bürgermeister Herbert Vilsmaier an seinen ungarischen Kollegen Attila Blázsovics (rechts).

In seiner Festansprache erinnerte Magyarbólys Gemeindeoberhaupt an das seinerzeit gesetzte Ziel der Partnerschaft, nämlich die beiderseitige Förderung der Freundschaft im Zeichen des friedlichen Zusammenlebens der Völker in Europa. Zwischen den Bürgern der beiden Partnergemeinden sollten sich freundschaftliche Kontakte vertiefen und zwischenmenschliche sowie kulturelle Beziehungen herausbilden, sowohl auf dem Gebiet des Sports, wie auch in Wirtschaft, Schulen, Vereine und Organisationen. "Das alles sehe ich in großem Maße erfüllt", betonte Blázsovics, der von seiner Ehefrau Maria – ihre Vorfahren waren Donauschwaben – in perfektem Deutsch gedolmetscht wurde.

Blázsovics Aussagen bekräftigte Reischachs Bürgermeister: "Unsere Partnerschaft war mit Sicherheit vom ersten Tag an belebt". Die Freundschaft solle mit gegenseitigen Besuchen weiterhin gefestigt werden, sagte er. Vilsmaier sprach bei dieser Gelegenheit gleich eine Einladung ins Holzland zum nächstjährigen Dorf- und Erntefest im September aus. Wie er betonte, möchte sich Reischach für die überaus große Gastfreundschaft der Partnergemeinde während der Besuchstage revanchieren.

Eingestimmt auf den nachmittäglichen Festakt am gleichzeitigen ungarischen Nationalfeiertag mit der Feier des traditionellen "Brotfests" hatte sich die 23-köpfige Reischacher Delegation bei einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Pfarrkirche. Höhepunkt des knapp zweistündigen kirchlichen Geschehens war dabei die Segnung des frischgebackenen Brotes, das durch die politischen Gemeindevertreter an die Gottesdienstbesucher verteilt wurde.

Gut unterhalten wurden die Besucher aus dem Holzland und die Dorfbewohner dann ab Nachmittag beim Rahmenprogramm im Kulturzentrum: Eine Formation junger Damen im "Cowgirl"-Dress begeisterte in perfekter Tanz-Choreographie mit einer Reihe von bekannten Country-Liedern. Einen großen Applaus holten sich auch die acht jungen Musiker einer Brass-Band für ihre fetzigen Interpretationen gängiger Pop- und Filmmusiktiteln ab.

Zu Beginn des Festaktes galt es freilich für die Reischacher Gäste, wie auch für die Gastgeber, noch Förmliches abzuhandeln: Beim Abspielen der jeweiligen Nationalhymnen sangen beide Gruppen lautstark mit.

Region Pecs: Nur noch wenige sprechen deutsch Grußworte an die Reischacher Delegation sprach zudem eine Vertreterin der "deutschen Minderheit" in Ungarn, der sogenannten Donauschwaben. Es gäbe in der Region Pecs, nahe der kroatischen Grenze, nur noch wenige, die die deutsche Sprache sprechen würden. Sie bedankte sich für die engen Freundschaften, die in den vergangenen zehn Jahren zwischen Familien aus Magyarbóly und Reischach über die weite Entfernung entstanden seien, damit sei es möglich das deutsche Sprachgut zu erhalten, sagte sie.

 

(ANA vom 24.08.2016)