Bürger zeigen Interesse an ihrer Gemeinde

150 Besucher bei Bürgerversammlung im Oberwallner-Saal – Keine Stellungnahme zu Rückzug vom Bürgermeisteramt

 


 

Reischach. Mit gut 150 Besuchern war der Oberwallner-Saal am Freitagabend rappelvoll: Die Gemeindebürger Reischachs und Arbings zeigten großes Interesse an der Bürgerversammlung 2016. Mit ein triftiger Grund dürfte gewesen sein, dass 1. Bürgermeister Herbert Vilsmaier bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats seinen Rückzug vom Bürgermeisteramt zum Jahresende bekanntgab (Anzeiger berichtete) und somit seine letzte Bürgerversammlung abhielt.

Wer sich bei der Versammlung allerdings nähere Aufklärung für die Rücktrittsgründe des Gemeindeoberhauptes erhoffte, dürfte enttäuscht worden sein. Weder Vilsmaier selber nahm zu seinem Entschluss Stellung, noch gab es eine entsprechende Nachfrage aus der Bürgerschaft. Dafür wartete Vilsmaier im Verlauf des Abends mit einer Fülle anderer Informationen und vielen statistischen Zahlen zur Kommune auf.

Den Einwohnerstand Rei-schachs bezifferte er zum Ende des Vorjahres auf 2711, wobei 2577 Einwohner mit Hauptwohnsitz, 134 mit Nebenwohnsitz gemeldet gewesen seien. Mit 1748 Einwohnern verzeichnet die Altersstufe von 19 bis 65 Jahren dabei den Löwenanteil. Bauanträge seien bei der Gemeinde insgesamt 30 eingereicht worden, mit 31 Anträgen sei diese Zahl im laufenden Jahr bereits übertroffen worden, so Vilsmaier. Die Zahl der Gewerbebetriebe bezifferte er aktuell auf 238 Unternehmen.
Ein Jahr des BauensBreiten Raum nahmen Vilsmaiers Ausführungen zu bereits beendeten oder noch laufenden gemeindlichen Maßnahmen und Projekten ein. Von den elf Bauparzellen im Baugebiet Arbing "Hofmarkstraße" seien zehn verkauft, im Baugebiet "Reischach-Nord" alle 19 Parzellen. "2016 ist ein Jahr des Bauens", sagte Vilsmaier. Anstehen würden jetzt das Ortszentrum "Raiffeisen" und das Gewerbegebiet "Fuchshub". Bei Letzterem würden derzeit die Gewerbestraßen hergestellt, Wasser und Kanal seien bereits verlegt. Mit der Fertigstellung Ende November zu rechnen. Es lägen bereits einige vielversprechende Bewerbungen vor, sagte Vilsmaier.
Die Gemeinde sei aktuell auf der Suche nach weiterem geeignetem Bauland, dies sei wegen der Topographie allerdings nicht einfach. Einige Flächen seien mit der Regierung von Oberbayern bereits begutachtet worden, hätten jedoch nur mäßig bis bedingte Eignung aufgewiesen.
Noch heuer sollen der Josef-Straubinger-Weg und die Zufahrt nach Waldberg saniert werden, was allerdings eine Witterungsfrage werden könne. Vier weitere Straßen seien derzeit beim Amt für ländliche Entwicklung eingereicht worden. Zu den Wasserleitungen im Außenbereich vermeldete Vilsmaier für die Bauabschnitte 02 bis 06 Vollzug. Die Abschnitte 07 und 08 seien in der Planungsphase fertig und auch die Bezuschussung sei gesichert. Wegen derzeitiger Überlastung der bauausführenden Firmen rechne er mit der Ausführung im kommenden Jahr.
Weiteres Thema war die Umgestaltung der Mittelschule auf Grundschulbetrieb. Hier galt Vilsmaiers Dank der Elterninitiative, die "mit großem Ehrgeiz und Fachwissen" die verschiedensten Arbeiten übernommen habe und wesentliche Kosten für die Gemeinde eingespart habe – er bezifferte diese auf rund 22 000 Euro.
88 HVO-Einsätze Einen neuen Rüstwagen für die Reischacher Feuerwehr wird es für den im vergangenen Jahr verunfallten RW1 nach Vilsmaiers Worten im kommenden Jahr geben. Der Auftrag werde aller Voraussicht nach in der Gemeinderatssitzung im Dezember beschlossen.
Die Reischacher Bereitschaft der "Helfer vor Ort" habe bis Ende des dritten Quartals 2016 bereits 88 Einsätze zu verschiedensten Notfällen gefahren, 36 in Reischach, 22 in Perach und 25 in Erlbach, vermeldete Vilsmaier. Seit der Installation der Helfertruppe im Dezember 2012 stünden 435 Einsätze zu Buche. Diese Einrichtung könne man sich nicht mehr wegdenken, sagte er unter Applaus.
Weitere Ausführungen machte Vilsmaier zur Parkplatzsituation, der Straßen- und Dorfbeleuchtung und dem Breitbandausbau. Zu diesen Themen wurde in jüngster Zeit im Blatt berichtet. Für den Ausbau Fuchsberg ("eine unendliche Geschichte") vermeldete er keinen Fortschritt in den Grundstücksverhandlungen, die Ortsumfahrung und deren Aufstufung in den weiteren Bedarf mit Planungsrecht "stehe in den Sternen". Mehrere andere Orte wie etwa Laufen oder Trostberg lägen im Ranking vor der Reischacher Umfahrung. Mit einem Appell zur Geschwindigkeitsbeschränkung in den Siedlungsstraßen schloss Vilsmaier seine Ausführungen. Ein zweiter Appell erging zum Rückschnitt von Bäumen, Sträuchern und Hecken.
Über die einzelnen Wortmeldungen in der Bürgerversammlung berichten wir noch. − mbu

 

(ANA vom 24.10.2016)