Von Altenpflege bis Temposünder

Aus der Bürgerversammlung – Herbert Vilsmaier: Vom Schulstreit "einfach die Schnauze voll"

 


 

Reischach. Mit Fragen und Anmerkungen haben sich bei der Bürgerversammlung am Freitagabend im Oberwallner-Saal (der Anzeiger berichtete bereits) einige Bürger zu Wort gemeldet. Der Gemeinderat muss sich innerhalb einer bestimmten Frist damit auseinander setzen, so sieht es die Bayerische Gemeindeordnung vor. Die Wortmeldungen:
Christa Baisl wollte wissen, wie es mit dem Vereinsheim "alte Schule" und der diskutierten "Altenpflege" weitergehe. Bürgermeister Herbert Vilsmaier sagte, das Gebäude sei bei der Ortsgestaltung mit dem Kirchenumfeld eingeplant gewesen. Mittlerweile sei die Planung und Ausarbeitung der Ortsgestaltung aber aus Kostengründen gestoppt worden. Man sei ursprünglich von einer Summe von 500000 Euro ausgegangen, von der die Gemeinde 250000 Euro zu berappen gehabt hätte. Die Kosten hätten sich aber auf das Doppelte hochgeschraubt. Das Thema "Tagespflege" sei nicht eingeschlafen: Derzeit sei man im Verfahren zur Städtebauförderung, um so an Fördermittel zu kommen. Vielleicht gebe es sogar einen Neubau durch den Träger, die Bussereau-Stiftung. Diese sei mit einem Grundstückseigner derzeit wegen eines Grundstücks in Verhandlung. Baisl bemängelte auch die Parksituation am neuen Friedhofsparkplatz. Viele Autofahrer würden nicht dorthin fahren, sondern schon vorher "kreuz und quer umeinander parken". Sie regte eine Hinweisbeschilderung dafür bei der Zufahrt zur Kirche, etwa bei den Bäckereien oder am Leichenhaus an. Vilsmaier fand dies als eine gute Anregung, man werde dies veranlassen.
Wolfgang Hansbauer regte als Kommandant der Reischacher Feuerwehr an, den zum 1. Januar kommenden Jahres neu einzustellenden Bauhof-Mitarbeiter für den aktiven Dienst bei der Feuerwehr zu verpflichten: Bei Alarm hätte man dann einen in Reischach Beschäftigten mehr zur Verfügung, begründete er. Dies sagte ihm Vilsmaier zu. Ein weiteres Problem, für das allerdings der Landkreis zuständig ist, seien die Orientierungsstriche auf der Erlbacher Straße, die zur Bundesstraße führten, so Hansbauer. Wegen der Verkehrssicherheit sollten diese in der Mitte neu gezogen werden. Vilsmaier sagte die Weiterleitung es Problems an das Landratsamt zu. Außerdem habe er eine dort auch eine Ortsbesichtigung angeregt, ob nicht das Straßenteilstück vom "Eck Waitzhofer bis rauf zum Bauernschuster" zur Sicherheit der Kinder bei der Straßenüberquerung auf Tempo 30 reduziert werden könne. Die Antwort stehe noch aus.
Franz Reischl regte die Anbringung einer Straßenmarkierung auf der Abbiegung nach Perach an. Gerade wenn man von der Webersiedlung runter fahre, werde die Abbiegung in die Erlbacher Straße "gern geschnitten", sagte er. Vilsmaier sagte auch hier die Weiterleitung an das Landratsamt zu. Warum die PV-Anlage am Schulhaus abgebaut wurde und wer die Kosten dafür trage, wollte Reischl noch wissen. Es seien hier Mängel von einer Firma beseitigt worden, sagte Vilsmaier. Wegen der entstandenen Kosten sei man noch in "laufender Verhandlung."
Thomas Hofbauer bemängelte die leeren Grundstücke, die es im Siedlungsgebiet gebe und die "zuwachsen", statt sie für Bauzwecke zu nutzen. Ob es hier keinen "Bauzwang" gäbe, wollte er wissen. Hier sagte Vilsmaier, dass man versucht habe, solche Grundstücke zu kaufen, aber es sei bei der damaligen Erschließung noch kein "Bauzwang" auferlegt gewesen. Die Grundstücke würden alle in Privatbesitz sein, damit seien die "Hände gebunden".
Simon Kleinillenberger wies auf die "Gefahrenstelle" bei der Straße vom Badesee nach Wipfelsberg mit mehreren großen Löchern hin, gerade für Radfahrer sei diese nicht ungefährlich. Vilsmaier sagte, die Straße sei bereits eine der vier zur Sanierung angemeldeten Straßen beim Amt für ländliche Entwicklung.
Reinhard Pillriss beklagte den Fortgang des Breitbandausbaus in Arbing, der sich schon über Jahre hinziehe, er wähnte Arbing und Waldberg auf Reischacher Gemeindegebiet dabei einmal mehr in Vergessenheit. Bürgermeister Vilsmaier sagte darauf, dass der Vertrag mit der ausführenden Firma "inexio" Ende 2014 unterzeichnet wurde und es in der Regel drei Jahre bis zur Fertigstellung dauern würde, dies sei dann eben erst 2017. Pillriss übte auch Kritik am festgesetzten Termin der Bürgerversammlung, die Oberland-schützen hätten an dem Tag ihre Hauptversammlung anberaumt. "Wir haben diese sehr gerne verschoben", sagte er mit sarkastischem Unterton. Vilsmaier sagte, er habe sich wegen der Überschneidung bereits bei den Schützen dafür entschuldigt.
Alois Werkstetter kritisierte die Verwaltungssitz-Verlegung der VG nach Erlbach. "Hat da der Bürgermeister oder der Gemeinderat versagt?" Man könne das als normaler Mensch nicht nachvollziehen. Vilsmaier antwortete darauf, er habe nach dem zweijährigen intensiven Schulstreit "einfach auch die Schnauze voll" Und: Er sei es mit zunehmenden Alter auch leid zu kämpfen. Er selber sei bekanntermaßen nie für die Verlegung des Verwaltungssitzes gewesen, aber man müsse sich eben den Beschlüssen fügen. Man versuche in der VG die bestmögliche Regelung für Reischach in Bezug auf die Öffnungszeiten in der Gemeindeverwaltung zu treffen. Die Verlegung werde sich zum Beginn des kommenden Jahres ohnehin nicht halten lassen ("eher wird es der 1. Januar 2018"), aber sie werde kommen, sagte Vilsmaier.

In der Wortmeldung hatte Werkstetter einmal mehr auch die "unerträgliche Rasersituation" auf der Kreisstraße von und nach Golderberg kritisiert, die auf Tempo 60 beschränkt ist. Hier sagte Vilsmaier, dass man die Längen für eine Geschwindigkeitsüberwachung nicht zusammenbrächte, dies habe eine Ortsbesichtigung ergeben. − mbu

 

(ANA vom 25.10.2016)