Die "B-Frage" dominiert FW-Hauptversammlung

Kein Kandidat in Sicht, aber: "Wenn morgen einer da ist, werden wir ihn nominieren" – Was Vilsmaier zum Amtsverzicht sagt



Reischach. Bereits seit mehr als 14 Jahren stellt die Freie Wählerschaft (FW) den Ersten Bürgermeister im Reischacher Rathaus. Jetzt scheint diese Ära zu Ende zu gehen. Herbert Vilsmaier hat zum Ende des Jahres seinen Rückzug vom Bürgermeisteramt eingereicht (der Anzeiger berichtete) und die Freien Wähler haben keinen Kandidaten für die Amtsnachfolge in petto. Dies wurde bei der Jahreshauptversammlung des Ortsverbandes am Dienstagabend im Nebenzimmer des Gasthauses Berger deutlich.

Fokus soll auf der Wahl 2020 liegen. Ortsverbandsvorsitzender Hubert Kleinillenberger erklärte den 18 Anwesenden "nach reiflicher Überlegung", derzeit selbst nicht für eine Kandidatur im März zur Verfügung zu stehen. Auch aus dem Fraktionsgremium im Gemeinderat heraus sei nach mehreren Gesprächen definitiv abgewinkt worden. Die berufliche Situation, verbunden mit dem Zeitaufwand im Bürgermeisteramt, lasse bei seinen Kollegen ein mögliches Bürgermeisteramt nicht zu, sagte er. Den Fokus wolle man jetzt auf die Kommunalwahlen im Jahr 2020 legen.

Dies sah auch (Noch)-Bürgermeister Herbert Vilsmaier so: Auch er präferierte den Aufbau eines FW-Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in dann drei Jahren. Dieser Gedanke schmeckte allerdings Manfred Gesierich überhaupt nicht: Der Altbürgermeister appellierte vehement dafür, dass ein Kandidat der Freien Wähler bei der kommenden Bürgermeisterwahl antritt. "Wenn wir jetzt die Chance vertun und das Feld freiwillig räumen, wird für Generationen die CSU den Bürgermeister in Reischach stellen", sagte er. Die Abwahl des künftigen Bürgermeisters beim darauffolgenden Urnengang halte er "schlichtweg für unrealistisch."

Ins gleiche Horn stieß FW-Kreisvorsitzender Dieter Wüst als Grußredner: Auch er wünsche sich in der seit vielen Jahren bestehenden "FW-Hochburg Reischach" nach "gestandenen Männern" wie Manfred Gesierich, Franz Donislreiter und Herbert Vilsmaier erneut einen Mann der Freien Wähler an der Gemeindespitze. Es sei auch Verpflichtung im Sinne der Freien Wähler zu wirken, sagte er. Und: "Der Wähler tut sich leichter, wenn er die Wahl hat". Vilsmaiers Rückzug vom Bürgermeisteramt nannte er den einzigen Wermutstropfen des Abends.
"Es sind so viele Dinge aufgelaufen..." Nach einem kurzen Abriss der wichtigsten Arbeitsthemen des Jahres (der Anzeiger berichtete darüber im Zuge der jüngsten Bürgerversammlung) ging dann Herbert Vilsmaier auf seinen Verzichts-Entschluss ein: "Es sind in den letzten eineinhalb Jahren so viele Dinge aufgelaufen, die mich nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss gebracht haben, das Bürgermeisteramt aufzugeben", sagte er. Seinen Kollegen der FW-Fraktion dankte er für die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren im Gemeindeparlament. Eine erfreuliche Nachricht hatte Vilsmaier noch parat: Es werde im kommenden Jahr entweder das Vereinsheim saniert oder das alte Kirchenbrückerl erneuert, beide Projekte seien über die Städtebauförderung angemeldet. "Wenn wir Glück haben, können wir sogar beide Maßnahmen verwirklichen", so Vilsmaier.

Bei allen Diskussionen um die "B"-Frage war im Verlauf des Abends auch die Neuwahl der Vorstandschaft anberaumt, die Kreisvorsitzender Wüst leitete. Außer dem Wechsel im Schriftführeramt – hier löste Josef Donislreiter die langjährige Amtsinhaberin Franziska Hahn ab – ergaben sich keine Veränderungen. Zuvor hatte Kassier Stefan Wimmer den Kassenbericht des Ortsverbandes für das Geschäftsjahr gegeben. Nach einem geringen Überschuss der Ausgaben über die Einnahmen seien 1260 Euro Vermögen im Ortsverband zum Ablauf des Geschäftsjahres vorhanden, berichtete er. Nach der Bestätigung einer ordnungsgemäßen Buchführung durch Kassenprüfer Thomas Werkstetter wurde die bisherige Vorstandschaft einstimmig entlastet.

In seinem Schlusswort ließ sich der bisherige und neue Ortsverbandsvorsitzende Kleinillenberger dann doch noch zu einer Aussage zur Bürgermeisterwahl bewegen: "Wenn morgen einer da ist, der ja sagt, werden wir Freien Wähler ihn nominieren". − mbu

Die neue Vorstandschaft:1.Vorsitzender: Hubert Kleinillenberger, 2.Vorsitzende: Christian Unterstraßer und Rosmarie Kaiser. Kassier: Stefan Wimmer. Schriftführer: Josef Donislreiter. Beisitzer: Dr. Stefan Scholze. Kassenprüfer: Thomas Werkstetter und Franziska Hahn.

 

(ANA vom 25.11.2016)