"Mit einem lachenden und einem weinenden Auge"

Der Reischacher Bürgermeister Herbert Vilsmaier äußert sich nach seinem Rücktritt vom Amt zum Jahresende im Interview mit dem Anzeiger

 


 

Er hat eine Verletzung am Bein erlitten, aber: "Da geht es aufwärts", sagt Herbert Vilsmaier, der zum 31. Dezember aus dem Bürgermeister-Amt scheidet. Er freut sich auf die neue Freizeit im Jahr 2017. − F.: mbu

Er hat eine Verletzung am Bein erlitten, aber: "Da geht es aufwärts", sagt Herbert Vilsmaier, der zum 31. Dezember aus dem Bürgermeister-Amt scheidet. Er freut sich auf die neue Freizeit im Jahr 2017. − F.: mbu

Herr Vilsmaier, Ihre Amtszeit als Bürgermeister endet in wenigen Tagen. Mit welchen Gefühlen hören Sie auf, wie blicken Sie auf 2016 zurück?Vilsmaier: Ich blicke nach sechseinhalb Jahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Das Amt des Bürgermeisters habe ich sehr gern ausgeführt, aber die verschiedensten Umstände haben mich dazu bewegt, dieses zum Jahresende 2016 abzugeben. Das abgelaufene Jahr war wie alle Jahre ein sehr arbeitsreiches Jahr mit vielen guten, aber auch weniger guten Entscheidungen.
Wann ist Ihr Entschluss gereift bzw. konkret geworden, das Bürgermeisteramt aufzugeben? Gibt es da einen bestimmten Tag oder eine bestimmte Stunde oder zog sich das länger hin? Der Entschluss aufzuhören beschäftigte mich schon seit gut einem Jahr. Nur über den Zeitpunkt der "Kündigung" war ich mir nicht schlüssig. Einige Negativerfahrungen und die akute Erkrankung nach meinem Unfall haben mich dann dazu bewogen zum Jahresende 2016 aufzuhören.
Welche Reaktionen haben Sie nach der Rücktrittsankündigung von der Bevölkerung wahrgenommen?Ich habe eigentlich nur positive Meinungen gehört, ob von Bürgermeisterkollegen oder den Bürgerinnen und Bürgern. Aber alle äußerten großes Bedauern, dass ich diesen Schritt gemacht habe.
Jedes öffentliche Amt hat ja auch oftmals weniger schöne Seiten: Welchen Tag oder welchen Zeitraum möchten Sie nicht nochmal erleben? Da gibt es eigentlich nur wenige Dinge, die bis heute nachklingen. Der frühe Tod meines Vorgängers Franz Donislreiter, die politische Entscheidung zur Verlegung der VG-Verwaltung nach Erlbach sowie der unselige Schulkrieg, der alles fast an den Scheideweg gebracht hat: Diese Vorgänge haben sehr viel Substanz gekostet und auch Vertrauensverluste nach sich gezogen. Diese Dinge beschäftigen mich zum Teil auch heute noch.
Was war der schönste Tag bzw. die schönste Zeit ihrer Amtszeit, was waren ihre "liebsten Pflichten"? Gibt es eine Episode, an die Sie sich besonders gern erinnern? Im Alltagsleben eines Bürgermeisters gibt es sehr viele Dinge, die mit schönen Pflichten verbunden sind. 64 Paare durfte ich trauen, nicht wenigen Bürgerinnen und Bürgern zum hohen Geburtstag gratulieren – jeder Anlass ein Erlebnis mit sehr schönen und unterhaltsamen Gesprächen. Gern erinnere ich mich auch an Hilfestellungen für Mitbürger, die Sorgen hatten und einen Rat brauchten, hier konnte ich vielfach helfen. Eigentlich sind im Normalbetrieb alle Tage schön, wenn man sein Amt gern macht.
Was wird Ihrer Meinung nach von Ihrer Bürgermeisterzeit überdauern? Gibt es eine "größte Leistung" in Ihrer Amtszeit? In meiner Amtszeit wurde fast der gesamte Außenbereich an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Baugrund wurde in Reischach und Arbing erschlossen und alle Baugrundstücke verkauft. Auch das Gewerbegebiet Fuchshub wurde erworben und erschlossen. Zu nennen ist auch die Umnutzung der Mittelschule zur Grundschule. Für die Reischacher Feuerwehr wurden in meiner Amtszeit drei Einsatzfahrzeuge angeschafft: Ein Mehzweckfahrzeug, ein Hilfeleistungsfahrzeug und jüngst ein Rüstwagen als Ersatz für das Fahrzeug, das bei dem Unfall im Oktober 2015 stark beschädigt wurde. Es soll Ende nächsten Jahres ausgeliefert werden.
Gibt es Dinge oder Projekte, die Sie gern noch als Bürgermeister verwirklicht hätten? Ich glaube, ich habe in meiner Dienstzeit genug erreicht – obwohl ich gern noch den Ausbau des Fuchsberges sowie die Ortsumgehung Reischachs mit eröffnet hätte.
Was sehen Sie als die wichtigsten Aufgaben für Ihren Nachfolger? Es gibt noch viele Dinge zu erledigen, ob groß oder klein. Aber bei diesen Dingen muss mein Nachfolger selbst zuordnen, was er als Erstes in Angriff nehmen will.
Was werden Sie am meisten vermissen? Den persönlichen Kontakt als Bürgermeister zu den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch die sehr harmonische und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung und im Bauhof.
Sie hatten ja in diesem Jahr einen Unfall, wie geht es Ihnen mit dem lädierten Bein jetzt? Da geht es aufwärts. Ich freue mich, im nächsten Jahr Dinge machen zu können, die heuer wegen dem Bein nicht gegangen sind. Ich bin soweit zufrieden.
Was sind Ihre Planungen für die Zukunft, wofür werden Sie sich mehr Zeit nehmen? Da habe ich keine konkreten Planungen. Mit zunehmendem Alter muss man sich an vielen Dingen erfreuen können, aber ich glaube kaum, dass Langeweile aufkommt. Für mich endet jetzt eine Zeit, in der ich sehr viele schöne und weniger schöne Dinge erfahren durfte und viele Erfahrungen machen konnte. Meinem Nachfolger wünsche ich viel Glück und dass ihm dieses sehr verantwortungsvolle Amt genauso viel Freude bereiten wird, wie es mir gemacht hat.
Interview: Manfred Buchberger.

 

(ANA vom 27.12.206)