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Herbert Vilsmaier sagte offiziell "Adieu"

Reischacher Jahresabschlussfeier: Gemeinde blickt im Gasthaus Pallauf auf das abgelaufene Geschäftsjahr zurück



 

Mit einem Präsent bedankten sich 3. Bürgermeisterin Anneliese Moser und 2. Bürgermeister Hubert Kleinillenberger (links) bei Herbert Vilsmaier für die Zusammenarbeit. Spaßeshalber zeichneten sie ihn als "Altbürgermeister" aus. − Foto: Buchberger

Mit einem Präsent bedankten sich 3. Bürgermeisterin Anneliese Moser und 2. Bürgermeister Hubert Kleinillenberger (links) bei Herbert Vilsmaier für die Zusammenarbeit. Spaßeshalber zeichneten sie ihn als "Altbürgermeister" aus. − Foto: Buchberger

Reischach/Arbing. Eingebettet in die gemeindliche Jahresabschlussfeier hat Herbert Vilsmaier am Dienstagabend im Gasthaus Pallauf in Arbing der Kommune als Bürgermeister Adieu gesagt. Wie bekannt räumt Vilsmaier nach sechseinhalb Jahren Amtszeit seinen Bürgermeistersessel. In seiner Oktober-Sitzung hat das Gemeinderatsgremium dem Rücktrittsgesuch einstimmig stattgegeben.

Vilsmaier erinnerte die fast vollzählig anwesenden Gemeinderatsmitglieder mit ihren Partnern, die Geistlichkeit mit Pfarrer Ludwig Samereier und Pfarrvikar Kumar sowie weiterer Ehrengäste in seiner letzten Ansprache als Gemeindeoberhaupt neben der Gemeindearbeit des abgelaufenen Jahres auch an die Schwerpunkte seiner gesamten Amtszeit. Unter anderem seien die beiden Baugebiete "Reischach-Nord" und Arbing "Hofmarkstraße" geschaffen, sowie das Gewerbegebiet "Fuchshub" erschlossen worden. Neben mehreren Straßenbaumaßnahmen, wie etwa der von Hochmühl nach Rockersbach, nannte er auch die zentrale Wasserversorgung im Außenbereich mit insgesamt 38 Kilometern Wasserleitungen als erfolgreich abgeschlossenes Projekt.

Geschaffen worden sei auch die Maschinenhalle für den Bauhof und die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED mit einer Stromersparnis von 70 Prozent. In seiner insgesamt 20 Punkte umfassenden Rückschau nannte Vilsmaier auch die Anschaffungen mehrerer Einsatzfahrzeuge für die Reischacher Feuerwehr. Er sprach aber auch "leidige Themen" wie den Schulstreit, in diesem Zug dabei auch die Verlegung des VG-Verwaltungssitzes von Reischach nach Erlbach (der Anzeiger berichtete) und die Umgestaltung des Schulgebäudes von einer Mittelschule zur Grundschule an.

Als "schöne Phasen" in seiner Amtszeit führte er die Feier der zehnjährigen Partnerschaft mit der ungarischen Gemeinde Magyarbóly im August, die vielen Trauungen, aber auch die Geburt des ersten Reischacher Asyl-Babys im vergangenen Januar in Brandmühl an.

Vilsmaier dankte neben den Gemeinderatsmitgliedern und Verwaltungsmitarbeitern allen, die sich immer wieder für das Gemeinwohl einbrächten, dazu auch den Verantwortlichen in Schule, Kindergarten und Krankenpflege.

Dank für die kollegiale ZusammenarbeitEhrende Worte für den scheidenden Bürgermeister fand sein Stellvertreter Hubert Kleinillenberger, der das Amt jetzt vorübergehend bis zur Neuwahl des Ersten Bürgermeisters im März ausüben wird. Er dankte Vilsmaier im Namen des Gemeinderatsgremiums für die jahrelange kollegiale Zusammenarbeit mit beiden Fraktionen. Gemeinsam mit 3. Bürgermeisterin Anneliese Moser überreichte er ein Abschiedspräsent im Geschenkkuvert, dazu dekorierten ihn beide spaßeshalber mit einer Umhänge-Tafel bereits zum "Altbürgermeister" – wohl im Vorgriff auf eine mögliche spätere offizielle Auszeichnung im Gemeinderat.

Zuvor verlas Vilsmaier allerdings noch den Tätigkeitsbericht von Ortsheimatpfleger Alois Stockner, der diesen – zwar anwesend – wegen gesundheitlicher Einschränkung nicht selber vorzutragen vermochte. Vilsmaier listete in Stockners Papier 14 Einzelpunkte dessen Tätigkeit auf, in der sich der größte Teil davon auf Auskünfte für Privatpersonen erstreckte. Freilich hatte Stockner auch einen illustrierten Beitrag zum heimatkundlichen Jahrbuch "Oettinger Land" Band 36/2016 mit dem Titel "Eine erschreckliche Begegnung im Wald zwischen Pfaffenberg und Rudersberg" beigetragen. Vilsmaier bezeichnete Stockners Tätigkeit als Heimatpfleger, die er im kommenden Jahr für Reischach sage und schreibe 45 Jahre ausübt, in seinen Dankesworten als "für die Gemeinde äußerst wertvoll und unbezahlbar".

Lebewohl sagte dem scheidenden Amtsträger auch Ortsgeistlicher Ludwig Samereier. Er würdigte die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Politik in den sechseinhalb Amtsjahren als "schöne Zeit". Er habe Vilsmaiers Art immer geschätzt und könne dafür nur Danke sagen.

Indes steht Vilsmaier noch eine allerletzte Amtshandlung bevor: An Silvester steht noch eine Trauungszeremonie im Rathaus in seinem Terminkalender. − mbu

 

(ANA vom 30.12.2016)

 

"Mit einem lachenden und einem weinenden Auge"

Der Reischacher Bürgermeister Herbert Vilsmaier äußert sich nach seinem Rücktritt vom Amt zum Jahresende im Interview mit dem Anzeiger

 


 

Er hat eine Verletzung am Bein erlitten, aber: "Da geht es aufwärts", sagt Herbert Vilsmaier, der zum 31. Dezember aus dem Bürgermeister-Amt scheidet. Er freut sich auf die neue Freizeit im Jahr 2017. − F.: mbu

Er hat eine Verletzung am Bein erlitten, aber: "Da geht es aufwärts", sagt Herbert Vilsmaier, der zum 31. Dezember aus dem Bürgermeister-Amt scheidet. Er freut sich auf die neue Freizeit im Jahr 2017. − F.: mbu

Herr Vilsmaier, Ihre Amtszeit als Bürgermeister endet in wenigen Tagen. Mit welchen Gefühlen hören Sie auf, wie blicken Sie auf 2016 zurück?Vilsmaier: Ich blicke nach sechseinhalb Jahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Das Amt des Bürgermeisters habe ich sehr gern ausgeführt, aber die verschiedensten Umstände haben mich dazu bewegt, dieses zum Jahresende 2016 abzugeben. Das abgelaufene Jahr war wie alle Jahre ein sehr arbeitsreiches Jahr mit vielen guten, aber auch weniger guten Entscheidungen.
Wann ist Ihr Entschluss gereift bzw. konkret geworden, das Bürgermeisteramt aufzugeben? Gibt es da einen bestimmten Tag oder eine bestimmte Stunde oder zog sich das länger hin? Der Entschluss aufzuhören beschäftigte mich schon seit gut einem Jahr. Nur über den Zeitpunkt der "Kündigung" war ich mir nicht schlüssig. Einige Negativerfahrungen und die akute Erkrankung nach meinem Unfall haben mich dann dazu bewogen zum Jahresende 2016 aufzuhören.
Welche Reaktionen haben Sie nach der Rücktrittsankündigung von der Bevölkerung wahrgenommen?Ich habe eigentlich nur positive Meinungen gehört, ob von Bürgermeisterkollegen oder den Bürgerinnen und Bürgern. Aber alle äußerten großes Bedauern, dass ich diesen Schritt gemacht habe.
Jedes öffentliche Amt hat ja auch oftmals weniger schöne Seiten: Welchen Tag oder welchen Zeitraum möchten Sie nicht nochmal erleben? Da gibt es eigentlich nur wenige Dinge, die bis heute nachklingen. Der frühe Tod meines Vorgängers Franz Donislreiter, die politische Entscheidung zur Verlegung der VG-Verwaltung nach Erlbach sowie der unselige Schulkrieg, der alles fast an den Scheideweg gebracht hat: Diese Vorgänge haben sehr viel Substanz gekostet und auch Vertrauensverluste nach sich gezogen. Diese Dinge beschäftigen mich zum Teil auch heute noch.
Was war der schönste Tag bzw. die schönste Zeit ihrer Amtszeit, was waren ihre "liebsten Pflichten"? Gibt es eine Episode, an die Sie sich besonders gern erinnern? Im Alltagsleben eines Bürgermeisters gibt es sehr viele Dinge, die mit schönen Pflichten verbunden sind. 64 Paare durfte ich trauen, nicht wenigen Bürgerinnen und Bürgern zum hohen Geburtstag gratulieren – jeder Anlass ein Erlebnis mit sehr schönen und unterhaltsamen Gesprächen. Gern erinnere ich mich auch an Hilfestellungen für Mitbürger, die Sorgen hatten und einen Rat brauchten, hier konnte ich vielfach helfen. Eigentlich sind im Normalbetrieb alle Tage schön, wenn man sein Amt gern macht.
Was wird Ihrer Meinung nach von Ihrer Bürgermeisterzeit überdauern? Gibt es eine "größte Leistung" in Ihrer Amtszeit? In meiner Amtszeit wurde fast der gesamte Außenbereich an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Baugrund wurde in Reischach und Arbing erschlossen und alle Baugrundstücke verkauft. Auch das Gewerbegebiet Fuchshub wurde erworben und erschlossen. Zu nennen ist auch die Umnutzung der Mittelschule zur Grundschule. Für die Reischacher Feuerwehr wurden in meiner Amtszeit drei Einsatzfahrzeuge angeschafft: Ein Mehzweckfahrzeug, ein Hilfeleistungsfahrzeug und jüngst ein Rüstwagen als Ersatz für das Fahrzeug, das bei dem Unfall im Oktober 2015 stark beschädigt wurde. Es soll Ende nächsten Jahres ausgeliefert werden.
Gibt es Dinge oder Projekte, die Sie gern noch als Bürgermeister verwirklicht hätten? Ich glaube, ich habe in meiner Dienstzeit genug erreicht – obwohl ich gern noch den Ausbau des Fuchsberges sowie die Ortsumgehung Reischachs mit eröffnet hätte.
Was sehen Sie als die wichtigsten Aufgaben für Ihren Nachfolger? Es gibt noch viele Dinge zu erledigen, ob groß oder klein. Aber bei diesen Dingen muss mein Nachfolger selbst zuordnen, was er als Erstes in Angriff nehmen will.
Was werden Sie am meisten vermissen? Den persönlichen Kontakt als Bürgermeister zu den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch die sehr harmonische und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung und im Bauhof.
Sie hatten ja in diesem Jahr einen Unfall, wie geht es Ihnen mit dem lädierten Bein jetzt? Da geht es aufwärts. Ich freue mich, im nächsten Jahr Dinge machen zu können, die heuer wegen dem Bein nicht gegangen sind. Ich bin soweit zufrieden.
Was sind Ihre Planungen für die Zukunft, wofür werden Sie sich mehr Zeit nehmen? Da habe ich keine konkreten Planungen. Mit zunehmendem Alter muss man sich an vielen Dingen erfreuen können, aber ich glaube kaum, dass Langeweile aufkommt. Für mich endet jetzt eine Zeit, in der ich sehr viele schöne und weniger schöne Dinge erfahren durfte und viele Erfahrungen machen konnte. Meinem Nachfolger wünsche ich viel Glück und dass ihm dieses sehr verantwortungsvolle Amt genauso viel Freude bereiten wird, wie es mir gemacht hat.
Interview: Manfred Buchberger.

 

(ANA vom 27.12.206)

 

Die "B-Frage" dominiert FW-Hauptversammlung

Kein Kandidat in Sicht, aber: "Wenn morgen einer da ist, werden wir ihn nominieren" – Was Vilsmaier zum Amtsverzicht sagt



Reischach. Bereits seit mehr als 14 Jahren stellt die Freie Wählerschaft (FW) den Ersten Bürgermeister im Reischacher Rathaus. Jetzt scheint diese Ära zu Ende zu gehen. Herbert Vilsmaier hat zum Ende des Jahres seinen Rückzug vom Bürgermeisteramt eingereicht (der Anzeiger berichtete) und die Freien Wähler haben keinen Kandidaten für die Amtsnachfolge in petto. Dies wurde bei der Jahreshauptversammlung des Ortsverbandes am Dienstagabend im Nebenzimmer des Gasthauses Berger deutlich.

Fokus soll auf der Wahl 2020 liegen. Ortsverbandsvorsitzender Hubert Kleinillenberger erklärte den 18 Anwesenden "nach reiflicher Überlegung", derzeit selbst nicht für eine Kandidatur im März zur Verfügung zu stehen. Auch aus dem Fraktionsgremium im Gemeinderat heraus sei nach mehreren Gesprächen definitiv abgewinkt worden. Die berufliche Situation, verbunden mit dem Zeitaufwand im Bürgermeisteramt, lasse bei seinen Kollegen ein mögliches Bürgermeisteramt nicht zu, sagte er. Den Fokus wolle man jetzt auf die Kommunalwahlen im Jahr 2020 legen.

Dies sah auch (Noch)-Bürgermeister Herbert Vilsmaier so: Auch er präferierte den Aufbau eines FW-Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in dann drei Jahren. Dieser Gedanke schmeckte allerdings Manfred Gesierich überhaupt nicht: Der Altbürgermeister appellierte vehement dafür, dass ein Kandidat der Freien Wähler bei der kommenden Bürgermeisterwahl antritt. "Wenn wir jetzt die Chance vertun und das Feld freiwillig räumen, wird für Generationen die CSU den Bürgermeister in Reischach stellen", sagte er. Die Abwahl des künftigen Bürgermeisters beim darauffolgenden Urnengang halte er "schlichtweg für unrealistisch."

Ins gleiche Horn stieß FW-Kreisvorsitzender Dieter Wüst als Grußredner: Auch er wünsche sich in der seit vielen Jahren bestehenden "FW-Hochburg Reischach" nach "gestandenen Männern" wie Manfred Gesierich, Franz Donislreiter und Herbert Vilsmaier erneut einen Mann der Freien Wähler an der Gemeindespitze. Es sei auch Verpflichtung im Sinne der Freien Wähler zu wirken, sagte er. Und: "Der Wähler tut sich leichter, wenn er die Wahl hat". Vilsmaiers Rückzug vom Bürgermeisteramt nannte er den einzigen Wermutstropfen des Abends.
"Es sind so viele Dinge aufgelaufen..." Nach einem kurzen Abriss der wichtigsten Arbeitsthemen des Jahres (der Anzeiger berichtete darüber im Zuge der jüngsten Bürgerversammlung) ging dann Herbert Vilsmaier auf seinen Verzichts-Entschluss ein: "Es sind in den letzten eineinhalb Jahren so viele Dinge aufgelaufen, die mich nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss gebracht haben, das Bürgermeisteramt aufzugeben", sagte er. Seinen Kollegen der FW-Fraktion dankte er für die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren im Gemeindeparlament. Eine erfreuliche Nachricht hatte Vilsmaier noch parat: Es werde im kommenden Jahr entweder das Vereinsheim saniert oder das alte Kirchenbrückerl erneuert, beide Projekte seien über die Städtebauförderung angemeldet. "Wenn wir Glück haben, können wir sogar beide Maßnahmen verwirklichen", so Vilsmaier.

Bei allen Diskussionen um die "B"-Frage war im Verlauf des Abends auch die Neuwahl der Vorstandschaft anberaumt, die Kreisvorsitzender Wüst leitete. Außer dem Wechsel im Schriftführeramt – hier löste Josef Donislreiter die langjährige Amtsinhaberin Franziska Hahn ab – ergaben sich keine Veränderungen. Zuvor hatte Kassier Stefan Wimmer den Kassenbericht des Ortsverbandes für das Geschäftsjahr gegeben. Nach einem geringen Überschuss der Ausgaben über die Einnahmen seien 1260 Euro Vermögen im Ortsverband zum Ablauf des Geschäftsjahres vorhanden, berichtete er. Nach der Bestätigung einer ordnungsgemäßen Buchführung durch Kassenprüfer Thomas Werkstetter wurde die bisherige Vorstandschaft einstimmig entlastet.

In seinem Schlusswort ließ sich der bisherige und neue Ortsverbandsvorsitzende Kleinillenberger dann doch noch zu einer Aussage zur Bürgermeisterwahl bewegen: "Wenn morgen einer da ist, der ja sagt, werden wir Freien Wähler ihn nominieren". − mbu

Die neue Vorstandschaft:1.Vorsitzender: Hubert Kleinillenberger, 2.Vorsitzende: Christian Unterstraßer und Rosmarie Kaiser. Kassier: Stefan Wimmer. Schriftführer: Josef Donislreiter. Beisitzer: Dr. Stefan Scholze. Kassenprüfer: Thomas Werkstetter und Franziska Hahn.

 

(ANA vom 25.11.2016)

 
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